Was es bedeutet einen guten Linolschnitt zu erstellen, das kann man bei Hagen Nerdinger mit einer seltenen Perfektion, über Jahrzehnte anhand seiner Drucke erkennen und nachvollziehen. Er entwickelte bereits in jungen Jahren eine eigene Schneidetechnik, bei der die feinen, fast schon naturalistisch anmutenden Linien eher wie gezeichnet, als geschnitten und gedruckt wirken. Mehrfarbige Drucke, z. T. auch als Handabriebe hergestellt, sind Beispiele dieser hervorragenden Technik. Mit den Jahren wurden seine Schnitte und Drucke immer flächiger, abstrakter und farbiger.

Wichtig war ihm der Ausdruck der Formen und das Zusammenwirken der Flächen, so hat man bei einigen bereits eine Anmutung von Alphabeten. Das Zusammenspiel von Binnen- und Aussenform, von hell zu dunkel, von stark zu mager wurde immer freier und aufgelöster. Er experimentierte auf seiner Druckmaschine auch mit ausgeklügelten Druckverfahren um die Schnitte auf China-Gold und den verschiedensten Papierarten noch besser zur Geltung zu bringen.

Über Jahrzehnte hinweg beschenkte er Freunde mit Neujahrskarten, die er als Linolschnitte verschickte.