Ausstellung „Im griechischen Licht“ – Hagen Nerdinger 1.10.2016, Galerie Unikat Augsburg

 

In weitem Licht der Himmel und fernem, stillen Blau das Meer, die steilen Felsenbuchten umkränzt von silbernen Olivenhainen. Landschaft, wie sie sich vielleicht im Traum – oder im unvergleichlichen Licht Griechenlands zeigt.

 

„...im griechischen Licht...“ ist auch der Titel der Ausstellung, in der Hagen Nerdinger seine tief empfundenen, südlichen Bilder zeigt.

 

Dass der Geburtsort von Hagen Nerdinger das traditionsreiche Augsburg ist, wird allseits bekannt

sein – auch über sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Franz Nagel wissen wir. Was er aber gerne bescheiden verschweigt, ist sein außerordentlicher Erfolg als Buch- und Plakatgestalter. Doch seine wirkliche Leidenschaft gilt der künstlerischen Arbeit, der er mit Ernsthaftigkeit und Kontinuität seit Jahrzehnten nachgeht. Seine regelmässigen Ausstellungen,

in denen trotz der Treue zu seinen Motiven immer eine Weiterentwicklung und eine tiefere Durchdringung des Sujets zu entdecken ist, haben ihm seine Bilder eine große Sammler- und

“Fan“- Gemeinde eingebracht.

 

Vor einiger Zeit fiel mir ein Umschlag mit alten Dias in die Hände, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass sie überhaupt noch existieren. Anschaulich zeigt eine der Fotografien, wie Hagen,

auf einer gemeinsamen Malreise nach Kreta vor fast 5 Jahrzehnten, in der Bucht von Hagia Fotia – beziehungsreicher Name - heiliges Feuer - der inneren Wahrheit einer arkadischen Landschaft mit Block und Zeichenfeder nachspürte. So verbindet uns eine lange Freundschaft, die u.a. wesentlich auch von dieser gemeinsamen künstlerischen Leidenschaft – der altmodischen, malerischen Auseinandersetzung mit der Landschaft – geprägt ist.

 

Im Laufe dieser 5 Jahrzehnte haben sich auch seine Bilder gewandelt – anfänglich der Zeichnung verpflichtet, eröffnete sich ihm zunehmend eine nuancierte, malerische Dimension, in der das abgebildete „Außen“ nur als Anstoß – als Animation sozusagen eines inneren Prozesse fungiert. „Meine Aquarelle sehe ich als die scheinbar reale Dokumentation eines sich stetig wandelnden Außen, dessen innere Beständigkeit – jenseits aller sichtbaren Veränderung – in meinen Bildern aufscheint.“ So die eigene Aussage des Künstlers zu seinem künstlerischen Werk.  

 

Die Bedeutung der Zeit, die Wirkung des Lichtes und dessen ewiger Wandel, der nicht nur einer Unterschiedlichkeit der Tageszeiten entspricht, regen den inneren Dialog des Schauenden an.

Die Nachdenklichkeit und das Berührtsein vom Hauch der Endlichkeit in seinen Blättern, läßt vor

allem diese tiefe Beziehung zwischen dem Abbild der Natur und der inneren Wirklichkeit des

Malers erahnen.

Ein vergänglicher Hauch, eine Sehnsucht nach dem was noch – oder fast nicht mehr – ist und dennoch im Inneren als festgeschriebene, schmerzlich- lebendige Erinnerung liegt, lässt sich –

wie ein geheimnisvoller Hauch – auch in seinen Bildern erspüren.

 

Natur als Spiegel der Seele ist bekannterweise eine wesentliche Aussage der Romantik.

 

So meint Schelling – in Übereinstimmung mit dem Gottesbegriff der Mystik – das Göttliche in der Natur könne vom Maler nur soweit dargestellt werden, wie es in ihm selbst vorhanden sei.

Hier stellt sich natürlich die Frage, ob dieser Blick mit dem inneren Auge ausschließlich ein Vorrecht der Romantik war, oder ob das innere Erfassen von Landschaft als Abbild der menschlichen Gestimmtheit niemals seine Gültigkeit verloren hat... 

 

„...schließlich will ich Dir sagen, dass ich als Maler vor der Natur hellsichtiger werde in vielen Dingen.“ schreibt Paul Cezanne im Jahre 1906 in einem Brief an seinen Sohn.

 

Hagen Nerdingers Aquarelle scheinen diesen Aspekt zu bestätigen: Sich malend Verstehen und verlorene Ganzheit wieder anzueignen, wird vom Künstler durch das bildnerische Neuerschaffen

des Geschauten in einer ganz besonderen Weise geleistet.

 

Nachdem wir auf Kreta vor langer Zeit malend versuchten das abzubilden, was das Auge im griechischen Licht so vollkommen erschaute und wir uns an vielen beflügelten Abenden bemühten den Sinn des Lebens und das Wesen der Kunst zu erforschen, war Griechenland immer wieder das Ziel seiner Malreisen.

In den letzten 20 Jahren intensivierte der Künstler Hagen Nerdinger, durch seine ausgedehnten Malreisen nach Patmos die malerische Aneignung und Durchdringung von Landschaft und Licht.

Die ungebrochene Kontinuität des malerischen Werkes und die Ernsthaftigkeit der gestalterischen Auseinandersetzung über die vielen Jahrzehnte, hat sich in jeden Fall – der Schwabe würde sagen: ausgezahlt – anders formuliert aber,  in seinen Bildern sehr eindrucksvoll niedergeschlagen.

 

Viel Freude, inneres Erleben und nachdenkliches Wiedererkennen

wünsche ich nun uns Allen beim Eintauchen in das „...griechische Licht...“  

 

Flora von Spreti